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GrindadrĂĄp
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Das GrindadrĂĄp [] ist der Grindwalfang auf den FĂ€röern. FĂŒr die meisten FĂ€ringer gehört es zu ihrer Geschichte und zum selbstverstĂ€ndlichen Nahrungserwerb auf subsistenzwirtschaftlicher Grundlage mit starken gesetzlichen Reglementierungen.
Internationale TierschĂŒtzer kritisieren die Jagd als grausam und unnötig. In der fĂ€röischen Gesellschaft lĂ€uft die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht emotionsfrei ab.
Contents
âą Wortherkunft
⹠Grindaboð
âą HvalvĂĄgir
âą Tradition
âą Zubereitung
âą Kontroverse
âą Pro
âą Kontra
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft
Die grind bedeutet auf FĂ€röisch neben Grindwalschule auch Grindwalfleisch und generell die ganze Angelegenheit und damit verbundene Kultur. Ein Grind ist also auch das konkrete Ereignis. Der Plural ist grindir. Das Wort stammt von altnordisch grind âGitter, GittertĂŒrâ und wurde im FĂ€röischen genommen, um eine Grindwalschule zu bezeichnen, was laut Lucas Debes auf die Vorstellung zurĂŒckgeht, dass eine Grindwalschule, in der die Tiere dicht nebeneinanderher schwimmen, einem Lattenzaun Ă€hnelt.
Der Grindwal selber ist der grindahvalur oder auch der grindafiskur â âGrindfischâ. Das drĂĄp bedeutet Tötung oder Schlachtung. GrindadrĂĄp heiĂt wörtlich daher Grindtötung oder -schlachtung.cite-ref-1[1] Der Ruf Grindaboð! [] kommt von grind und boð = Botschaft, Meldung. Es heiĂt wörtlich: Grind-Botschaft, oder besser: Grindalarm.
Grind-Alarm und Jagd
Grindaboð
Es ist stets Zufall, wenn eine Grindwalschule bei den FĂ€röern gesichtet wird. Der entsprechende Skipper meldet dann die Sichtung. Die Behörden entscheiden anschlieĂend, ob See und Wetter einen Grindwalfang erlauben. Meist passiert das im Sommer, wenn die Bedingungen hierfĂŒr gĂŒnstig sind. Dann wurde frĂŒher eine entsprechende Nachricht im nationalen Rundfunk durchgegeben. Die Mobiltelefonie ersetzt die Radio-Botschaft. Angestellte erhalten in der Regel frei, und es wird versucht, möglichst viele Boote des entsprechenden Ortes ins Wasser zu bringen. Es gibt auch Berichte, dass sogar Gottesdienste unterbrochen wurden, falls eine Grindwalsichtung just zu dieser Zeit passierte. Durch den Einsatz von Motorbooten ist es heutzutage einfacher, die Tiere einzukreisen und zu treiben; eine Grindwalschule kann leicht entkommen, wenn es nicht genĂŒgend Boote gibt, die sie zusammentreiben und in eine geeignete Bucht drĂ€ngen, wo das Töten der Wale erlaubt ist.
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Newsweek zufolge hat seit Mai 2015 derjenige mit umgerechnet rund 3000 Euro Strafe â im Wiederholungsfall bis zu zwei Jahren Haft â zu rechnen, der es versĂ€umt, die Sichtung einer Grindwalschule den zustĂ€ndigen Behörden anzuzeigen.cite-ref-2[2] Touristen sind gemÀà einer Verlautbarung der Landesregierung der FĂ€röer in aller Regel davon nicht betroffen.cite-ref-3[3]
HvalvĂĄgir
HvalvĂĄgir bedeutet Wal-Buchten. Das sind 17 StrĂ€nde an der fĂ€röischen KĂŒste, wo das GrindadrĂĄp ĂŒblich ist, und zwar in BĂžur, FĂĄmjin, FuglafjĂžrður, GĂžta, HĂșsavĂk, Hvalba, HvalvĂk, Hvannasund, KlaksvĂk, MiðvĂĄgur, NorðskĂĄli, SandavĂĄgur, Sandur, TĂłrshavn (am Sandagerði), TrongisvĂĄgur, VĂĄgur und Vestmanna.cite-ref-4[4]
FrĂŒher wurden manchmal auch die Buchten von FunningsfjĂžrður, KollafjĂžrður, NĂłlsoy, ĂravĂk, SandvĂk, SkĂĄlavĂk, SĂžrvĂĄgur, des TindhĂłlmur und die ViðvĂk (Viðoy) verwendet. Selbst in HattarvĂk, Haraldssund, HoyvĂk, Lopra, Mykines, Saksun, SvĂnoy, Sumba und TjĂžrnuvĂk kam es in der Geschichte schon mal zu einem Grind, aber das blieben Ausnahmen.
In der Statistik ĂŒber den Grindwalfang auf den FĂ€röern seit 1584 tauchen die oben genannten 17 StrĂ€nde am hĂ€ufigsten auf.
Im Juli 2013 erlaubte das fĂ€röische Fischereiministerium, den GrindadrĂĄp in 23 Buchten durchzufĂŒhren.cite-ref-5[5]
Grindabåtur und Grindareiðskapur
Die jeweiligen BootsfĂŒhrer sind gesetzlich verpflichtet, darauf zu achten, dass nur erlaubte Grind-GerĂ€tschaften (grindareiðskapur: Fanghaken, Taue, Grindwal-Messer) mitgefĂŒhrt werden. Ein derart ausgerĂŒstetes und bemanntes Boot ist dann ein grindabĂĄtur (Grind-Boot). Grind-Boote sind kleine motorisierte, fĂ€röische Boote oder andere Fahrzeuge der KĂŒstenseefahrt, nicht aber Schiffe der hochmodernen fĂ€röischen Fabrikschiffflotte. Ein Grindboot beschreibt den temporĂ€ren Zustand eines kleinen Bootes wĂ€hrend des Grinds, das ansonsten die meiste Zeit der Leinenfischerei oder Freizeitzwecken dient.
Treffen alle oben genannten Bedingungen zu, werden die Tiere unter Aufsicht der örtlichen Behörden in die entsprechende Bucht getrieben. Dazu bilden die Grindboote einen Halbkreis, und die Schule wird mit einem langen Tau, an dem Steine befestigt sind, in die Bucht getrieben. Grindwalen, die diesem Seil auf offener See entkommen, darf nicht nachgestellt werden.
Diejenigen Tiere, die nicht weit genug auf den Strand gelangen, werden mit einem speziellen stumpfen Fanghaken an einem Seil gehalten, der in ihr Blasloch gesteckt wird. Daher hat er seinen Namen blĂĄsturongul â âBlaslochangelâ. Das BlĂĄsturongul hat sich seit seiner Erfindung 1993 durchgesetzt und wird nicht nur als effektiver, sondern auch als humaner im Vergleich zum spitzen Haken sĂłknarongul (wörtlich etwa âTreibjagdangelâ, wobei sĂłkn auch Kirchengemeinde heiĂt) angesehen. Das SĂłknarongul wird in den Speck des Grinds gebohrt und dient heute nur noch dazu, das getötete Tier an Land zu ziehen.
Getötet werden die Grindwale mit dem mĂžnustingari. Dabei werden ihnen das RĂŒckenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt, sodass sie innerhalb weniger Sekunden sterben. Sie verbluten also nicht, wie in manchen Berichten behauptet wird. Vor 1985 kamen auch Speer (hvalvĂĄkn) und Harpune (skutil) zum Einsatz, sind aber seit einem entsprechenden LĂžgtingsgesetz aus GrĂŒnden des Tierschutzes verboten.
Einem Bericht der fĂ€röischen Zeitung NorðlĂœsið ist zu entnehmen, dass im August 2017 auch Kinder am GrindadrĂĄp aktiv beteiligt waren.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]
Kulturelle Bedeutung
Das Wasser der entsprechenden Bucht fĂ€rbt sich bei einem GrindadrĂĄp rot. Diese Bilder wirken auf AuĂenstehende oft schockierend. Da keine Harpunen und Speere oder gar Schusswaffen verwendet werden dĂŒrfen, mĂŒssen die JĂ€ger im eiskalten Wasser stehen und mit jedem einzelnen Tier kĂ€mpfen. Beteiligte beschreiben dies als anstrengend und viel Konzentration erfordernd. FĂŒr sie bedeutet es in erster Linie kostenlose Nahrungsbeschaffung fĂŒr sich und ihre Familien.
Der grindaformaður (Grind-Vorsteher, Vorsitzender des fĂ€röischen Grindamannafelag â âGrindmĂ€nnerverbandâ) Ălavur SjĂșrðaberg aus LeirvĂk beschreibt es so:
âIch bin sicher, dass niemand, der seine eigenen Tiere fĂŒr Nahrungszwecke tötet, davon unberĂŒhrt bleibt. Du möchtest es so schnell wie möglich und mit so wenig Leiden fĂŒr das Tier wie möglich durchfĂŒhren.âcite-ref-8[8]
Kulturell bedeutet das GrindadrĂĄp neben dem gesellschaftlichen Faktor der gemeinsamen Jagd und Nahrungsversorgung auch fĂŒr viele FĂ€ringer einen Teil ihrer IdentitĂ€t. Oft hört man MĂ€nner davon reden, dass sie sich beim GrindadrĂĄp als richtige FĂ€ringer fĂŒhlen. In der fĂ€röischen Literatur und Kunst ist das GrindadrĂĄp ein wichtiges Motiv. Die GrindgemĂ€lde von SĂĄmal Joensen-Mikines zĂ€hlen international zu seinen bedeutendsten.
Der dĂ€nische Gouverneur der FĂ€röer Christian PlĂžyen schrieb wĂ€hrend seiner Amtszeit (1830â1847) die berĂŒhmte Grindweise, eine fĂ€röische Ballade in dĂ€nischer Sprache. Dort heiĂt es im Kehrreim:
Raske drenge, grind at drĂŠbe
det er vor lyst
Zu Deutsch:
Flinke Jungen, Grind zu töten
das ist unsere Lust
Dieses Lied wird auf den FĂ€röern nur zu besonderen AnlĂ€ssen gesungen. Es gehört in der AuĂenwelt (insbesondere DĂ€nemark) zu den bekanntesten Klischees ĂŒber das Land.
Von Joseph Victor von Scheffel, einem deutschen Lyriker des 19. Jahrhunderts, stammt das Gedicht âDer Grindwalfang an den FĂ€röerinselnâ:cite-ref-9[9]
Fern tanzt ein Boot auf der blÀulichen Flut.
Laut schallt sein Signalruf: âGrindabud!
Der schwarze Wal kommt gezogen!â
Und âGrindabudâ ruft es aus jeglichem Mund,
âHinaus itzt in sonnheller Morgenstund
Zur Hetzjagd auf schĂ€umenden Wogen!â
Und alt und jung kommt gerĂŒstet zum Streit,
Selbst der dicke Amtmann macht sich breit
Und verlÀsst seine friedlichen Tische.
Nur die Frauân und der Prediger bleiben zu Haus,
Man fĂŒrchtet, es breche schlimm Wetter sonst aus
Und ihr Nahen verscheuche die Fische.
Tradition
| Zeitraum | Grindir | Wale | Delphine | Skinn |
|---|---|---|---|---|
| 1709â1950 | 1.195 | 178.259 | | 1.360.160 |
| 1951â1960 | 122 | 18.772 | | 99.102 |
| 1961â1970 | 130 | 15.784 | | 79.588 |
| 1971â1980 | 85 | 11.311 | | 69.026 |
| 1981â1990 | 176 | 18.806 | | 108.714 |
| 1991â2000 | 101 | 9.212 | | 66.284 |
| 2001 | 11 | 918 | 552 | 7.447 |
| 2002 | 10 | 626 | 791 | 4.263 |
| 2003 | 5 | 503 | 189 | 3.968 |
| 2004 | 9 | 1.010 | | 8.276 |
| 2005 | 6 | 302 | | 2.259 |
| 2006 | 11 | 856 | 639 | 6.614 |
| 2007 | 10 | 633 | | 5.522 |
| 2008 [ 10 ] | 0 | 0 | 1 | 0 |
| 2009 [ 10 ] | 3 | 310 | 174 | 2.965 |
| 2010 [ 10 ] | 14 | 1.107 | 35 | 8.008 |
| 2011 [ 10 ] | 9 | 726 | | 4.682 |
| 2012 [ 10 ] | 12 | 713 | | 4.961 |
| 2013 [ 11 ] | 11 | 1.104 | 430 | 8.302 |
| 2014 [ 11 ] | 2 | 48 | | 341 |
| 2015 [ 11 ] | 6 | 501 | | 3.559 |
| 2016 [ 11 ] | 5 | 295 | | 2.115 |
| 2017 [ 11 ] | 19 | 1203 | 488 | 9.396,5 |
| 2018 [ 12 ] | 10 | 624 | 256 | 4.675 |
| 2019 [ 12 ] | 12 | 682 | 10 | 5.294 |
| 2020 [ 12 ] [ 13 ] | 4 | 530 | 35 | 4.120 |
| 2021 | 12 | 666 | 1423 | |
| 2022 | 5 | 527 | 98 | 3.867 |
| 2023 [ 12 ] [ 14 ] | 10 | 897 | 10 | |
| 2024 [ 12 ] [ 14 ] | 5 | 413 | 150 | 2.696 |
Der Grindwal wird vollstĂ€ndig verwertet. Diese Aussage wird allerdings von einigen Tierschutzorganisationen bestritten. Seine Verteilung erfolgt nach einem jahrhundertealten SchlĂŒssel. Den relativ gröĂten Anteil erhalten die Einwohner derjenigen Gemeinde, in deren Fjord die Tiere geschwommen sind. Dann sind die anderen Gemeinden derselben Insel an der Reihe und danach das restliche Land. Hierbei kommen alle Mitglieder der Gesellschaft zum Zuge, also auch diejenigen, die nicht am Fang teilnahmen/teilnehmen konnten.
Der Grindwalfang geht zurĂŒck auf die Wikingerzeit auf den FĂ€röern und galt fĂŒr den abgeschiedenen Nordatlantik-Archipel als wichtige Nahrungsquelle und Vitaminversorgung. Es wird geschĂ€tzt, dass Grind ca. 10 % des einheimischen Speiseplans ausmacht.
Die Statistik ĂŒber den Grindwalfang auf den FĂ€röern reicht zurĂŒck auf den 24. Juni 1584. Damals wurden vier Wale vor LĂtla DĂmun erlegt. FĂŒr die folgenden Jahre gibt es lĂŒckenhafte, aber dennoch zahlreiche Aufzeichnungen. Zwischen 1639 und 1708 gibt es nur eine gerundete Fangzahl aus dem Jahr 1664, aber seit dem Ende der Gabelzeit 1709 ist sie vollstĂ€ndig und gilt damit als die Ă€lteste Jagdstatistik der Welt[Beleg?]. Vom 20. April 1709 (Hvalba) bis zum 28. August 2005 (SvĂnoy) wurden 1850 Grindwalschulen (grindir) aufgebracht und dabei 255.467 Tiere getötet. An den Fangzahlen erkennt man wiederkehrende erhebliche Schwankungen. Ein Grind ist reiner Zufall. Am 6. Oktober 1940 gelang in Sandur der bis dahin gröĂte Fang aller Zeiten: An einem einzigen Tag wurden 1200 Tiere erlegt. Der bis dahin zweitgröĂte Fang war am 10. August 1729 in KlaksvĂk mit 1184 Walen. Am 12. September 2021 wurden 1423 Tiere, ĂŒberwiegend Delfine, getötet,cite-ref-whaling-fo-13-1[13] was zu weltweiten Protesten fĂŒhrte.cite-ref-15[15] Aber es gibt auch Jahre ohne Grind.
2004 gab es insgesamt neun Grindir mit 1010 getöteten Grindwalen. Sie hatten einen Wert von 8.276ÂŒ Skinn. Das ist eine fĂ€röische MaĂeinheit und bedeutet im Falle von Grind: 1 Skinn = 38 kg Fleisch (âTvĂžstâ) + 34 kg Speck (âSpikâ). Die Rede ist also von etwa 595 Tonnen Grindwalfleisch und -speck fĂŒr die Haushalte. Insgesamt wurden auf den FĂ€röern in den 295 Jahren von 1709 bis 2004 insgesamt 130.091 Tonnen Grind gewonnen.
Auffallend ist 2005 die relativ geringe Fangmenge im Vergleich zu den Vorjahren. Der gröĂte Fang 2005 am 2. Mai in FuglafjĂžrður umfasste 123 Tiere. Der kleinste und zugleich letzte Fang war der von SvĂnoy am 28. August mit 5 Grindwalen an einem ungewöhnlichen Ort.
Im Jahr 2008 gab es keinen Grind.cite-ref-heima-2007-2012-10-5[10]
Im August 2015 wurden in FuglafjĂžrður sieben Grindwale lebend fĂŒr wissenschaftliche Zwecke gefangen.cite-ref-heima-2013-2018-11-5[11] Sie wurden mit Sendern bestĂŒckt und anschlieĂend freigelassen.
Neben dem Grindwal werden auch Delphine gejagt.
Der Grindwal als Nahrungsquelle
Der gröĂte Teil der traditionellen FĂ€röischen KĂŒche besteht aus Fleisch. Aufgrund der unwirtlichen, felsigen Inseln wachsen Getreide und GemĂŒse nicht gut. Nur rund 2 % der 1395 kmÂČ sind geeignet fĂŒr den Landbau.cite-ref-16[16] WĂ€hrend der Wintermonate ernĂ€hrten sich die Einwohner der FĂ€röer-Inseln vorwiegend von eingesalzenen oder getrockneten Nahrungsmitteln, wie Fleisch, Grindwalfleisch, Seevögeln und Fisch. Der Grindwal war ĂŒber Jahrhunderte hinweg eine wichtige Nahrungsquelle fĂŒr die isoliert lebende Bevölkerung des nordatlantischen Archipels.
Das Fleisch und der Speck des Grindwals werden in den fĂ€röischen Haushalten aufbewahrt, zubereitet und gegessen. In SupermĂ€rkten der FĂ€röer wird das Grindwalfleisch mittlerweile auch verkauft und nicht nur verteilt, wie im Abschnitt âTraditionâ beschrieben. Obwohl Fisch das Hauptexportgut der Fischereination FĂ€röer ist, wird das Walfleisch nicht exportiert. Ăhnlich wie die Jagdbeute bei den GrönlĂ€ndern, sind Grindwalfleisch und -speck Gegenstand der ererbten Subsistenzwirtschaft. Ein jĂ€hrlicher Fang von rund 950 Grindwalencite-ref-17[17] (1990â1999) entspricht rund 500 t Fleisch und Speck. Das wiederum entspricht rund 30 % des in FĂ€röer produzierten Fleisches.
Zubereitung
Der Grind wird meist im traditionellen Verfahren der Lufttrocknung in einem speziellen Holzschuppen, dem Hjallin konserviert. An der kĂŒhlen salzhaltigen Luft der FĂ€röer ist das ein fĂŒr Klippfisch, Schaffleisch und Papageitaucher ĂŒbliches Verfahren. So haltbar gemacht, wird er dann vor dem Verzehr ĂŒber Stunden in Wasser â oder besser: einer Marinade â eingeweicht.
Das Fleisch wird als Steak (grindabĂșffur) zubereitet oder gekocht (saltgrind). Als Beilage sind heimische Kartoffeln ĂŒblich. GewĂŒrzt wird mit Senf. Zum GrindabĂșffur gibt es auch eine weiĂe SoĂe. Hierzu wird gerne ein krĂ€ftiger Rotwein gereicht, wĂ€hrend zum frischen Grind Bier und Schnaps empfohlen wird.cite-ref-18[18]
Im FĂ€röischen wird beim Grind zwischen dem Walfleisch (tvĂžst) und dem Speck (spik) unterschieden. Manchmal wird zum TvĂžst auch Robbenspeck gegessen. Auf dem Teller heiĂt das dann tvĂžst og spik.
Das durch die Lufttrocknung haltbar gemachte Fleisch des MeeressĂ€ugers ist schwarz und relativ zĂ€h. Im Geschmack Ă€hnelt es dem Rindfleisch. Grind ist Ă€uĂerst nahrhaft. Hinzu kommt der vitaminreiche Tran im Speck des Wales.
Touristen auf den FĂ€röern, die Grind probieren möchten, sind meist auf so genannte FĂ€röerabende, folkloristische Veranstaltungen mit fĂ€röischem Kettentanz und einheimischer KĂŒche angewiesen. Es gibt aber auch Restaurants mit fĂ€röischer KĂŒche.
Kontroverse
Der Grindwalfang auf den FĂ€röern und die regelmĂ€Ăig kursierenden Bilder des rot gefĂ€rbten Wassers an den SchauplĂ€tzen bewegen weltweit WalschĂŒtzer, wĂ€hrend viele FĂ€ringer auf ihrem Recht beharren, genieĂbare Wildtiere auch jagen zu dĂŒrfen.
Laut der tendenziell den GrindadrĂĄp verteidigenden Website der Landesregierung der FĂ€röer â whaling.fo â schĂ€tzen Wissenschaftler âden Grindwalbestand im östlichen Nordatlantik auf etwa 778.000 Tiere, davon ca. 100.000 um die FĂ€röer Inseln.â Die FĂ€ringer jagen der Website zufolge durchschnittlich 800 Grindwale pro Jahr.cite-ref-19[19]
Pro
Die fĂ€röischen WalfĂ€nger argumentieren, dass sie nicht zu den Walen hinausfahren, sondern jene von selbst zu ihnen kommen. Weiter wird angefĂŒhrt, dass sie den Grindwalfang nicht aus kommerziellen GrĂŒnden betreiben, sondern nach wie vor ausschlieĂlich fĂŒr den internen VerteilerschlĂŒssel der Haushalte. Drittens meinen viele FĂ€ringer, dass der Grindwalbestand durch ihre Jagd nicht gefĂ€hrdet sei (IUCN Least Concern), denn der gröĂte Teil der Wale wĂŒrde auf ihrem Zug durch den Atlantik die kleine Inselgruppe verfehlen und so nicht betroffen sein.
Mehrere wissenschaftliche Studien heben den hohen Grad an Kooperation hervor, der die Grindwaljagd auf den FÀröern auszeichnet.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Die fÀröischen Wissenschaftlerinnen Ragnheiður Bogadóttir und Elisabeth Skarðhamar Olsen kommen zu dem Ergebnis, dass es sich beim Grindadråp um eine nicht-kapitalistische Art der Nahrungsbeschaffung handelt, die Elemente des Degrowth in sich trÀgt. Zudem kritisieren sie, dass sich die weltweite Empörung gegen die Waljagd auf den FÀröern richtet und nicht gegen die auch von fÀröischen Firmen ausgelöste Verschmutzung der Meere.cite-ref-22[22]
Kontra
Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel Sea Shepherd argumentieren, dass der Grindwalfang grausam sei und angesichts der guten Versorgungslage der FĂ€röer unnötig. Ebenso werden die neuen Fangmethoden kritisiert. Ruderten die FĂ€ringer einst mit Ruderbooten aufs Meer, um eine Walherde zu umkreisen und zu treiben, hatten die Wale eine relativ groĂe Chance zu entkommen. Gegen Motorboote ist die Chance geringer.cite-ref-23[23]
Ein Gutachten des fĂ€röischen Gesundheitsministeriums warnt vor ĂŒbermĂ€Ăigem Genuss von Grindwalfleisch, da es mit Umweltgiften wie Quecksilber, Dioxinencite-ref-flvb-2011-24-0[24] und PCB belastet ist.cite-ref-25[25] Wale stehen am Ende der maritimen Nahrungskette. Eine fĂ€röische Untersuchung zeigte 2007, dass die FĂ€ringer doppelt so viel Quecksilber im Körper haben wie empfohlen.cite-ref-26[26]
Am 26. November 2008 wurde seitens der fĂ€röischen Gesundheitsbehörde erstmals davon abgeraten, Grindwalfleisch zu essen. Als BegrĂŒndung wurde das Risiko der Parkinsonkrankheit aufgrund der Quecksilberbelastung genannt. Der Landesarzt HĂžgni Debes Joensen und der Oberarzt PĂĄl Weihe erklĂ€rten:
âWir geben diese Empfehlung in Trauer. Der Grind diente den FĂ€ringern ĂŒber viele Jahrhunderte und hat in dieser Zeit wahrscheinlich vielen das Leben gerettet. Aber die Zeiten und die Umwelt Ă€ndern sich, und deswegen meinen wir, dass diese Empfehlung medizinisch nötig ist.â
â
Portal.fo
Der fĂ€röische Gesundheitsminister Hans Pauli StrĂžm schloss sich daraufhin der Forderung nach einem Verzicht auf Grindwalfleisch an, betonte aber, dass es die Entscheidung jedes einzelnen sein mĂŒsse, ob er dem Rat folgt.cite-ref-28[28]
Im Juni 2011 aktualisierte die fÀröische Lebensmittel- und VeterinÀrbehörde ihre Verzehrhinweise: Erwachsene sollen demnach höchstens ein Mal pro Monat Grindwalfleisch und -speck verzehren. Auf den Verzehr von Grindwal-Leber und -Nieren solle man gÀnzlich verzichten. MÀdchen und Frauen mit Kinderwunsch wurden zusÀtzliche Verzichte anempfohlen.cite-ref-flvb-2011-24-1[24]
In Deutschland engagiert sich u. a. das Wal- und Delfinschutz-Forum gegen den GrindadrĂĄp.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]
Mehrere Kreuzfahrtunternehmen laufen die FÀröer auf Grund des Walfangs nicht mehr an.cite-ref-31[31]
GegenĂŒberstellung
TierschĂŒtzer argumentieren oft auf ethischer Ebene, namentlich mit dem blutigen Ausgang der Jagden. Dem entgegnen die FĂ€ringer, dass dies kein Problem des Walfangs sei, sondern der Entfremdung groĂer Teile der zivilisierten Bevölkerung von den Grundfesten der tierischen Nahrungsgewinnung. Gegen ZustĂ€nde auf einem modernen Schlachthof, die kaum ein Fleischverbraucher aus eigener Anschauung kennt, sei Walfang harmlos. Ein hĂ€ufig genanntes Argument lautet: Der Grindwal lebt sein ganzes Leben in Freiheit im Atlantik und stirbt dann in Sekunden. Das andere Fleisch, das man im Supermarkt kaufen kann, stammt aus Gefangenschaft.
Offenkundig ist, dass die FÀröer auf die Kritik reagieren und selbstÀndig nach besseren Jagdmethoden suchen, die den Tieren weniger Schmerz bereiten, und dass sie Exzesse gesetzlich unterbinden. Die Mehrheit der FÀringer lehnt als grausam bewertete Fangmethoden ab. Internationale Kritik wird dennoch oft als Einmischung in nationale Angelegenheiten empfunden.
Die Mehrheit der Bevölkerung der FĂ€röer-Inseln unterstĂŒtzt den GrindadrĂĄp. Die Mehrheit derjenigen, die die Jagden ablehnen, tun dies nicht aus ethischen GrĂŒnden, sondern weil sie das internationale Ansehen der FĂ€röer in Gefahr sehen.cite-ref-32[32]
Um den Grindwalfang zu ĂŒberwachen, entsendete die Nordatlantische MeeressĂ€uger-Kommission (North Atlantic Marine Mammal Commission, NAMMCO) im Sommer 2007 einen Vertreter auf die FĂ€röer.cite-ref-33[33]
Literatur
âą Touring Club Italiano (Hrsg.): Danimarca, Islanda. Touring Editore, Mailand 2004, ISBN 88-365-2921-6 (italienisch).
âą Paul Harding: Scandinavian Europe. 8th edition, Lonely Planet, Melbourne 2007, ISBN 978-1-74104-553-6 (englisch).
âą Joanne M. Greer, Monty L. Lynn, David O. Moberg: Research in the Social Scientific Study of Religion. Brill, Leiden 1996, ISBN 1-55938-893-5 (englisch).
âą D. M. Martin, P. S. Mundell: Handbook of Latin American Studies: Social Sciences. University of Texas Press, 1998, ISBN 0-292-75211-3.
âą Anna Spinelli: Tra lâinferno e il mare: breve storia economica e sociale della pirateria. Fernandel, 2003, ISBN 88-87433-39-9.
⹠Jóan Pauli Joensen: I Êrlige brudefolk: bryllup pÄ FÊrÞerne. Museum Tusculanum Press, 2003, ISBN 87-7289-808-9.
âą JĂžrgen Poulsen: Kultur og betydning: kommunikation som kulturel og social praksis. Forlaget Samfundslitteratur, 1999, ISBN 87-593-0675-0.
âą Samuel Rathbone, E. H. Grieg: A Narrative of the Cruise of the Yacht Maria among the Faroe Islands in the Summer of 1854, England 1855 (AusfĂŒhrlicher Augenzeugenbericht eines Grindwalfangs auf den FĂ€röern 1854)
âą Deutsche Ăbersetzung, Kapitel V. (Wikisource)
âą Annemarie Fromme-Bechem, Helmar Becker-Berke (Illustrationen): Der Grindwal kommt. In: Hoch-BĂ€ndchen Nr. 14, Hoch, DĂŒsseldorf 1954, 63 Seiten.
âą Russell Fielding: Environmental change as a threat to the pilot whale hunt in the Faroe Islands. In: Polar Research, 29, 2010, S. 430â438 (englisch)
âą Der Grindefang auf den Faröer-Inseln. In: Die Gartenlaube. Heft 7, 1868, S. 104â107 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
Commons
: Whaling in the Faroe Islands
â Album mit Bildern
âą CHEF â Childrenâs Health and the Environment in the Faroes (dĂ€nisch-fĂ€röische Nichtstaatliche Organisation) (Memento vom 18. Februar 2009 im Internet Archive)
âą Whaling.fo â Website der fĂ€röischen Regierung zum Thema âGrindadrĂĄpâ
⹠Fylgisveinagrindin 2004. (Memento vom 14. August 2007 im Internet Archive) Naturgeschichtliches Museum der FÀröer (Projekt der fÀröischen Grindforschung mit kleinen Sendern)
Auf FÀröisch
Wiktionary: grind
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Kunngerð nr. 46 frĂĄ 8. April 1998 um Grind (nicht mehr gĂŒltige Verordnung ĂŒber den Grindwalfang)
âą Kunngerð um grind og annan smĂĄhval, sum broytt við kunngerð nr. 122 frĂĄ 29. August 2022 (Letzte, aktuelle Verordnung ĂŒber den Grindwalfang)
âą Komplette Grindstatistik 1584â2003 mit Datum, Ort und Zahl
Einzelnachweise
cite-note-11. â Elektronisches Wörterbuch FĂ€röisch, Eintrag drĂĄp (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)
cite-note-33. â Statement from Government of the Faroe Islands on GrindalĂłgin. Landesregierung der FĂ€röer, 2. Juli 2015, abgerufen am 30. Oktober 2022 (englisch).
cite-note-55. â Executive Order On The Pilot Whale Drive. (PDF; 356 kB) FĂ€röisches Fischereiministerium, 5. Juli 2013, abgerufen am 4. September 2017 (englisch, siehe § 13).
cite-note-66. â JĂłhann Lutzen: SĂœslumaðurin: Fyrstu ferð grind er dripin ĂĄ BorðoyavĂk. In: NorðlĂœsið. 20. August 2017, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 2. September 2017; abgerufen am 2. September 2017 (fĂ€röisch, Kinder am Walfang beteiligt, siehe Video, rechts im Hintergrund).
cite-note-88. â Walfang auf den FĂ€röern. Modern und traditionell zugleich (Memento vom 13. Juni 2010 im Internet Archive)
cite-note-99. â Joseph Victor von Scheffel: Der Grindwalfang an den FĂ€röerinseln. In: Gaudeamus! Lieder aus dem Engeren und Weiteren. 22. Auflage. Verlag Bonz & Comp., Stuttgart 1876.
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cite-note-2525. â Co-ordinators: Grandjean, Philippe, UniversitĂ€t Odense, Weihe, Pal, Chefarzt, TĂłrshavn: MARINE CONTAMINANTS: Methyl Mercury. CHEF -Childrenâs Health and the Environment in the Faroes, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 29. September 2007; abgerufen am 17. Juni 2010 (englisch): âHighest exposure about 1,000-fold higher than lowestâ
cite-note-2626. â Vit hava nĂłgv kyksilvur Ă okkum. Portal.fo, 4. Januar 2007, ehemals im Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 17. Juni 2010 (fĂ€röisch, wir haben genug Quecksilber in uns).@1@2Vorlage:Toter Link/www.portal.fo (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
cite-note-273. Heilsumyndugleikar mĂŠla Ăžllum frĂĄ at eta grind. @1@2Vorlage:Toter Link/www.portal.fo (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche in Webarchiven) (âGesundheitsbehörden raten allen davon ab, Grindwal zu essenâ) portal.fo, 26. November 2008
cite-note-2828. â Hans Pauli StrĂžm tekur undir við grindabanninum. @1@2Vorlage:Toter Link/www.portal.fo (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche in Webarchiven) (âHans Pauli StrĂžm unterstĂŒtzt das Grindverbotâ) portal.fo, 2. Dezember 2008.
cite-note-2929. â Walfang auf den FĂ€roer. Wal- und Delfinschutz-Forum, abgerufen am 1. September 2017.
cite-note-3030. â Daniel Schaefer: Walfang: Udo Lindenberg will Kreuzfahrtschiffe stoppen. In: Hamburger Abendblatt. 21. August 2017, abgerufen am 1. September 2017.
cite-note-3232. â Ragnheiður BogadĂłttir, Elisabeth Skarðhamar Olsen: Making degrowth locally meaningful: the case of the Faroese grindadrĂĄp. In: Journal of Political Ecology. Band 24, Nr. 1, 2017, S. 504â518, hier S. 511, doi:10.2458/v24i1.20888 (Die Autorinnen zitieren hier aus einer 2014 durchgefĂŒhrten Umfrage).
cite-note-3333. â NAMMCO skal eygleiða grindadrĂĄp, âNAMMCO soll Grindwalfang ĂŒberwachenâ (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive).